Hausboot des Schreckens

Schnelle RückabwicklungHausboot des Schreckens

14.05.21Der Hausbootmarkt boomt. Und damit auch die rechtlichen Probleme von Hausbooteignern.

Yacht-rechtlich erfahrene Anwälte können dabei auf ihr profundes Wissen aus der Rechtsvertretung in Boot-Gewährleistungsfällen zurückgreifen.

Schneller Kauf ohne umfassende Prüfung 

Die Käuferin eines LaMare-Hausboots aus polnischer Fertigung sah sich nach euphorischem Kauf und Erlangung eines Premium-Liegeplatzes an einem Ostseefjord im Frühjahr 2019 fortwährenden Problemen gegenüber. Die negativen Rückmeldungen ihrer für die Refinanzierung so wichtigen Hausboot-Mieter rissen nicht ab; teilweise mussten die Mieter vorzeitig ausziehen oder das Hausboot musste storniert werden.

Mängel vom ersten Tag

Die Mangelliste bei Übergabe war schon lang und konnte nicht kurzfristig abgearbeitet werden. Kurz nach dem Kauf zeigten sich weitere ernste Probleme: Das Dach des Bootes war undicht. Abwasser- und Fäkalientank-Technik versagten - mit entsprechender Geruchsbelästigung. Es kam zu massivem Ausfall von Mieteinnahmen, die für die Refinanzierung der privaten Eigentümerin wichtig war. Mangelbeseitigungen konnten keine Zufriedenheit herstellen.

Intelligente Abwehr von Gewährleistungsansprüchen

Zunächst durch ein allgemein zivilrechtlich geprägtes Anwaltsbüro vertreten, kam die Rechtsvertretung nicht so recht in Gang und schien sich aus Sicht der Käuferin in intelligenter Abwehrtaktik der Verkäuferseite zu verstricken. Die anwaltliche Gegenwehr des deutschen Vertriebspartners der Werft (Skanvik) war kantig und nutzte alle Unsauberkeiten der vertraglichen Kaufgestaltung aus, die für einen Privatkäufer regelmäßig auch kaum erkennbar sind.

Niedriger technischer Standard beim Bau

Eine erste Sachverständigenbegutachtung des Hausboots auf handwerklicher Ebene offenbarte erhebliche Mängel und Mangelfolgeschäden und einen generell nach Massgabe des deutschen Marktverständnisses unterdurchschnittlichen Ausführungsstandard des ansonsten auf dem ersten Blick ausgesprochen hübschen, skandinavisch schlicht gehaltenen Hausboots.

Struktur und Druck in der Rechtsverfolgung

Nach einem Wechsel des Anwaltsmandats zu uns bemühten wir uns unverzüglich darum, Struktur und Druck in den Vorgang zu bekommen. Nach einigen Indizien für einen nicht CE-konformen Zustand des Bootes, schalteten wir noch einen auf CE-Konformität spezialisierten Sachverständigen ein, der mit uns das Hausboot auch in der Hinsicht auf Herz und Nieren prüfte und einige weitere Feststellungen machte, die wir in die Rechtsverfolgung haben einfließen lassen. Als wir zur Besichtigung an Bord kamen, war zur Begrüßung schon eine Befestigungsklampe aus dem Deck gerissen, die materialtechnisch und montagetechnisch unzureichend ausgeführt war. Die bei Kauf so schicke Decksbeschichtung war nach nicht einmal 2 Jahren schon in Auflösung begriffen.

Besonderes Thema: CE-Anforderungen

Dabei ist zu berücksichtigen, daß Hausboote konzeptionell hervorragend dafür geeignet sind, den Standard der technischen Ausführung niedrig zu halten, ohne daß dieser Zustand einen Mangel darstellt. Die technische Ausführung sicherheitsrelevanter Teile muss so bei weitem nicht die Standards erfüllen, die Wassersportler von seegehenden Booten gewöhnt sind. Zumindest dann nicht, wenn der Hersteller im Interesse der Kostenersparnis nur die Anforderungen erfüllen will, die er muss. Für Seesegler wie uns sträubte sich in einigen Fällen das Nackenhaar beim Anblick der Ausführung und Gestaltung von technischen Lösungen.

Schnelle wirtschaftliche Lösung 

Der von uns aufgebaute Druck schien offenbar groß genug, dass auch das deutsche Vertriebsunternehmen das Anwaltsbüro wechselte und sich ebenfalls von einem auf yacht-rechtliche Themen spezialisiertes Anwaltsbüro vertreten ließ. Aus unserer Sicht ein Glücksfall für unsere Mandantin: Wir konnten unter fachlich versierten Kollegen auf Augenhöhe sprechen und gegenseitig eine valide Einschätzung der Chancen und Risiken eines Rechtstreits ausloten. Im Ergebnis konnten wir recht schnell und ohne gerichtliche Hilfe einen Rückabwicklungsvergleich schließen, der die wirtschaftlich drängendsten und risikoreichsten Probleme schnell und effektiv löste.

Risikominimierung

Für verbleibende Fragen zu Nebenansprüchen konnten wir ebenfalls einen Modus vereinbaren, der eine juristische Klärung ebenfalls beidseits ohne gigantische Restrisiken ermöglicht.

Happy end und weiterhin Love for Houseboats

Ein schnelles Happy End für unsere Mandantin, die zwar um eine Lebenserfahrung reicher ist, auf die sie gut verzichten könnte. Die aber -zurecht- ihre grundsätzliche Begeisterung für Hausboote nicht verloren hat. Nur wird sie jetzt noch genauer hinschauen und sich beraten lassen, bevor hoffentlich bald schon ein neues, gut funktionierendes Hausboot an diesem wunderschönen Wassergrundstück liegt, dass unsere Mandantin weiter für ihre Mieter nutzen möchte.

Auch der Hersteller dürfte seine Lehren gezogen haben und die Produktqualität in einigen Punkten verbessern. Denn es gibt auch zufriedene Kunden. So hat dieser Fall am Ende für alle etwas Gutes.

Ansprechpartner im Yacht-Recht und zum Thema Gewährleistung/ Sachmängel bei Hausbooten

Sie haben Fragen in Hausboot-rechtlichen Themen im Hinblick auf Kaufverträge, Gewährleistung bzw. Sachmängeln? Hauptsächlich Ansprechpartner hierfür bei BRINK & PARTNER ist Rechtsanwalt-P. Kunze

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